Semiotik : S/Z

S/Z

EUR 12,00


Gelungener Ausbruch aus klassischen Interpretationsweisen - Barthes hat immer wieder seine Leser überrascht. So auch hier. Das Buch ist systematisch und spielerisch zugleich. Es ist hervorragend geschrieben, und die Leichtigkeit der Schreibweise täuscht über die Strenge oftmals hinweg, mit der diese Interpretation von Balzacs Sarrasine angefertigt wurde. Diese Strenge ist aber von der ersten bis zur letzten Seite vorhanden. Gleichzeitig ist dieses Buch einer jener großen Brüche, nicht nur in der Wissenschaft der Interpretation, sondern auch ein ganzes Stück weit für Barthes selbst: Hier zeigt er umfangreich, wie stark er die strukturale Erzählanalyse verlassen hat, zu der er mehrere Artikel veröffentlicht hatte. Einflüsse des französischen Psychoanalytikers Jacques Lacan und vor allem aus dem Buch Nietzsche und die Philosophie des Philosophen Gilles Deleuze sind deutlich erkennbar. Mit vielfältigen Werkzeugen liefert Barthes eine berauschende Fast-Nicht-Interpretation und macht Lust, ebenso zu verfahren. Das Interpretationsmodell selbst überwindet zahlreiche Probleme, die die klassische Interpretation nicht sehen konnte, nicht sehen wollte, ja teilweise rigoros bekämpft hat, obwohl sie - die klassische Interpretation - diese erst ermöglicht hat. Und insofern sich auch heute noch hartnäckig eine Interpretationsweise hält, die arrogant einen Text auf eine zentrale Aussage hin deutet, die einen Text in eine Hierarchie zu anderen Texten bringt, insofern Barthes’ doch schon recht altes Buch immer noch gegen die gleichen alten Methoden gelesen werden kann und gelesen werden sollte, insofern ist dieses Buch weiterhin für manche schockierend, für manche revolutionär, und letzten Endes höchst lehrreich.




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